Interview mit Roland Düringer und Harald Sicheritz"Eine sehr, sehr böse Komödie"
Mit "Muttertag" und "Kaisermühlen Blues" feierten sie als Kreativduo beachtliche Erfolge, nun haben sie mit "Hinterholz 8" ihre bisher intensivste Zusammenarbeit fertiggestellt: ein Gespräch von Klaus Hübner mit Autor/Regisseur Harald Sicheritz und Autor/Hauptdarsteller Roland Düringer. Nach der erfolgreichen Komödie "Muttertag" und "Freispiel" mit Alfred Dorfer kommt jetzt wieder ein Sicheritz-Film, der auf einem Kabarettstück basiert. Sind Sie ein Komödienregisseur?
Sicheritz: Wenn man unbedingt nach einem Etikett sucht, ja. Ich halte es für eine hohe Kunst, die Menschen zum Lachen zu bringen. Ich habe mit jedem meiner Filme einen neuen Weg zu diesem Ziel gesucht. Hinterholz 8 ist wieder ganz anders. Die Testvorführungen haben bewiesen, daß es darin sehr viel zu lachen gibt. Es ist aber nicht das schenkelklopfende Lachen über unschuldigen Klamauk, sondern eher ein Lachen der Befreiung, das einen angesichts einer sehr realitätsnahen Satire überkommt. Roland und ich haben uns nicht überlegt, was mörderisch lustig am Häuslbauen ist. Vielmehr geht es darum, wie schnell und unerwartet ganz normale Menschen mit ihrer lieben Familie ungebremst in den Abgrund fahren können. Wir erzählen das so, wie es in Wirklichkeit ist, bloß ein wenig nachgespitzt an diversen Kanten. Hinterholz 8 ist jedenfalls eine sehr, sehr böse Komödie. Wie ist "Hinterholz 8" entstanden? Düringer: Vor etwa fünf Jahren, als mir grad einmal fad war, hab ich ein kleines Treatment für eine Fernsehserie geschrieben - über einen, der ein Haus baut. Später hab ich das Treatment hergenommen, um daraus ein Soloprogramm zu entwickeln, und hab die Geschichte schließlich auf der Bühne erzählt. Und weil's ja ursprünglich ein Filmprojekt war und als Kabarettprogramm ziemlich erfolgreich lief, haben Harald und ich dann ein Drehbuch daraus gemacht. Es wurde von der Förderung zwar abgelehnt, aber schließlich fand sich doch eine typisch österreichische Lösung: nein, aber doch. Das heißt, wir haben wieder wie üblich zuwenig Geld und zuwenig Zeit gehabt, aber wir haben es trotzdem durchgezogen. Und der Film ist total gut geworden, wir sind alle ziemlich glücklich damit. War es schwierig, das Stück für die Leinwand umzusetzen? Sicheritz: Grundsätzlich ist die Zusammenarbeit mit dem Roland ein Genuß, weil er sehr viel über die Charaktere weiß und generell ein unheimlich gutes Gespür hat, aber es war trotzdem sehr schwierig. Auf der Bühne, wo Roland alle Rollen spielt und die ganze Geschichte erzählt, hat das Publikum eine gewisse Distanz zu den Ereignissen. Im Kino sitzt es direkt davor, und die Situationen wirken eben nicht nacherzählt, sondern ziemlich real. Wenn der Roland z. B. auf der Bühne einen kleinen Buben spielt, ist das schon lustig, weil ein Erwachsener ein Kind spielt. Im Film ist es aber wirklich ein Kind. Viele Szenen wirken daher auf der Leinwand viel drastischer - die Komik kommt aus dem Erkennen einer tragikomischen Wahrheit. Wie liefen die Dreharbeiten? Sicheritz: Die sechs Wochen waren sehr hart, die äußeren Bedingungen waren sehr schwierig. In Österreich hast du ja für Filme schon prinzipiell wenig Geld zur Verfügung, was wohl nicht mehr lange so weitergehen kann. Die Dreharbeiten selbst waren eine echte Schlacht. Sogar die altgedienten Leute in unserem Team haben ständig beeindruckt festgestellt, daß sie eine derart schwierige Sache noch selten erlebt haben. Es war natürlich auch lehrreich, in zwei Monaten einen Film drehen zu müssen, der über ein halbes Jahr geht. Man lernt auch interessante Dinge über die Natur dazu, z. B. was passiert, wenn man an einem steilen Hang dreht, während es drei Tage lang regnet. Der Hang rutscht nämlich dann weg, und man selbst auch, wenn man nicht aufpaßt. Man hört, daß schon die Vorbereitungsarbeiten ziemlich kompliziert waren . . . Sicheritz: Ja, durchaus. Hinterholz 8 ist schon allein von der Geschichte her ziemlich aufwendig. Ein Haus zu kaufen und es dann herzurichten, um es schließlich abzureißen, ist eben ein aufwendiges Unterfangen. Du findest endlich ein einsames Gebäude, wo rundherum nichts ist - das gibt's ja immer seltener - und sagst zu den anfangs wohlmeinenden Hauseigentümern zum Schluß: "Aber wegreißen müssen wir's schon." Da werfen sie dich zumeist raus. Wir haben dreieinhalb Monate gesucht, bis wir endlich das passende Haus gefunden haben. Sie sind beide vielbeschäftigte Leute. Ist Hinterholz 8 was ganz Besonderes für Sie? Düringer: Sicher, ich hab immer, wenn was nicht so gelaufen ist, wie es sollte, ziemlich gelitten. Es ist ja mein Stück, und es ist mit sehr am Herzen gelegen, daraus den bestmöglichen Film zu machen. Sicheritz: In meinem Beruf ist es schon besonders attraktiv, etwas Außergewöhnliches wie Hinterholz 8 auf die Beine zu stellen. Ich liebe an diesem Film, daß er nichts ins Lächerliche zieht, sondern deutlich macht, wie hart das Schicksal den Protagonisten mitspielt. Er hat eine zutiefst menschliche Dimension. Das liegt auch an den Schauspielern - Leute wie z. B. Alfred Dorfer oder Lukas Resetarits beobachten die echten Leute von der Straße genau und können sie überaus realistisch wiedergeben. Und wenn Düringer mit hochkarätigen Damen und Herren spielt, dann tut sich auch schauspielerisch einiges. Da kann man sich als Regisseur echt glücklich schätzen. Was haben Leute, die das Stück kennen, vom Film "Hinterholz 8" zu erwarten, und wie interessant schätzen Sie ihn für Leute ein, die das Stück nicht kennen? Düringer: Es ist zwar dieselbe Geschichte, aber trotzdem ganz anders als das Stück oder das Video dazu. Ein Gast bei einer Testvorführung hat gemeint, der Film wäre so was wie "Die Hard" für Häuslbauer. Ich glaub, er wird ziemlich erfolgreich. Es hat schon lange keinen Film mehr von uns gegeben, und meine Popularität ist derzeit sehr hoch - ich glaub, ich mach das, was dieses Land braucht. Und Häuslbauen ist ein Thema, das extrem viele interessiert. Sicheritz: Wir haben mit Hilfe des Statistischen Zentralamtes ausgehoben, daß es dreieinhalb Millionen Österreicher gibt, die derzeit mit dem Bau eines Eigenheimes in Verbindung stehen. Der Roland hat dieses Thema quasi studiert, er kennt sich da gut aus, und ich hab in meiner Jugend sehr viel am Bau gearbeitet. Es geht aber auch um die Perfidie des ganzen Systems, das rund um das Phänomen Häuslbauen gewachsen ist - Banken, Versicherungen, Ämter, die Do-it-yourself-Industrie und so weiter. Das sind alles Dinge, die eigentlich jeden irgendwie betreffen, und die werden halt so dargestellt, wie sie wirklich sind. Gibt es in nächster Zeit weitere Sicheritz/Düringer-Arbeiten zu sehen? Düringer: Der Harald, der Fredi Dorfer und ich machen gerade eine Sitcom fürs Fernsehen. Neun Folgen sind fertig und werden demnächst gesendet, wir schreiben gerade die nächsten. Die Serie heißt MA 2412 und spielt in einem Amt. Sie basiert auf einem Stück namens Mahlzeit, das Fredi und ich geschrieben haben. Drei Jahr haben wir darum gerauft, daß das was wird. Wir haben unter ziemlich extremen Bedingungen produziert, und es ist eigentlich ziemlich gut geworden - ich hab's ein paarmal gesehen, da werden's ziemlich alle in die Knie gehen. Nächstes Jahr mach' ich aber sicher keinen Film. Ich will 2000 ein neues Programm bringen und brauch' 1999, um daran zu arbeiten. "Hinterholz 8" startet Mitte September, also ungefähr zeitgleich mit "Godzilla" . . . Düringer: Ja, der wird's schwer haben gegen uns. SEITENBEGINN
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