Aus dem PresseheftTIETA DO BRASILKurznotiz Inhalt Zur Produktion Jorge Amado (Romanvorlage) Carlos Diegues (Regie) Sonia Braga (Hauptdarstellerin) Caetano Veloso (Musik) Ocimar Versolato (Sonia Bragas Garderobe) StabRegie: Carlos DieguesBuch: Joao Ubaldo Ribeiro, Antonio Calmon, Carlos Diegues, nach dem Roman von Jorge Amado Kamera: Edgar Moura Musik: Caetano Veloso Arrangeur/Dirigent: Jaques Morelenbaum Art Director: Lia Renha Schnitt: Mair Tavares, Karen Harley Ton: Rolf Pardula Kostümdesign: Luciana Buarque Sonia Bragas Garderobe: Ocimar Versolato Regieassistenz: Vicente Amorim Associate Producer: Renato Almejda Maghalaes Ausführende Produzenten: Miguel Faria Jr., Telmo Maia Co-Produzenten: Sonia Braga, Carlos Diegues Produzenten: Bruno Stroppiana, Donald Ranvaud Produktion: Sky Light Cinema BesetzungTieta: Sonia BragaPerpétua: Marilia Pera Zé Esteves: Chico Anysio Leonora: Claudia Abreu Carmo: Zezé Motta Commander Dario: Jece Valdao Imaculada/Tieta 17jährig: Patricia Franca Ascanio: Leon Goes Ricardo: Heitor Martinez Mello Tonha: Noélia Montanhas Ramiro: Caco Monteiro Elisa: Debora Adorno Barbozinha: André Valle Jairo: Frank Menezes Peto: Joao Phelippe Tieta achtjährig: Flora Diegues Jorge Amado: er selbst SEITENBEGINN
KurznotizMit Sonia Braga in einer umwerfenden Rolle, der Musik von Caetano Veloso und den Kostümen von Ocimar Versolato ist Brasiliens international erfolgreichstem Regisseur Carlos Diegues mit TIETA DO BRASIL eine höchst amüsante Verfilmung von Jorge Amados gleichnamigem Bestseller gelungen: Eine temperamentvoll-exotische Sommerkomödie, wie sie in Rhythmus und Sinnlichkeit nur in Brasilien spielen kann. SEITENBEGINN
InhaltDas kleine Dorf Sant'Ana do Agreste in der brasilianischen Provinz Bahia ist in heller Aufregung, erwartet man doch die Ankunft von Tieta, der Witwe eines reichen Industriellen aus der Großstadt Sao Paulo. Als 17jährige war Tieta von ihrem Vater Zé Esteves aus dem Haus gejagt worden, weil sie Spaß an der Liebe hatte und ihre ältere Schwester Perpétua sie dabei denunziert hatte. In den 26 Jahren ihrer Abwesenheit hatte sie nur Briefe und Geld zur Unterstützung ihres Vaters, ihrer Schwestern und ihrer Neffen geschickt, mit einem Postfach als Absender. Darüber ist Carmo, die Postmeisterin des Ortes, bestens informiert - schließlich öffnet sie alle Briefe erst einmal, ehe sie sie austrägt.Tieta kommt in einem roten Sportwagen und einem orangefarbenen Kleid angerauscht. In ihrer Begleitung befindet sich Leonora, ein sehr schönes, sehr junges, aber auch sehr melancholisches Mädchen, das Tieta als ihre Stieftochter vorstellt. Von ihrer Familie, den Offiziellen des Ortes, dem Pfarrer und einem alten Dichter-Freund, wird Tietas Ankunft mit großem Pomp zelebriert. Tietas und Leonoras Anwesenheit bringt das Leben des Dorfes, in dem die Zeit stillzustehen scheint, ganz schön in Bewegung. So versucht Ascanio, der junge Assistent des (verrückten) Bürgermeisters, Tietas Hilfe dafür zu bekommen, daß Sant'Ana do Agreste endlich ans Stromnetz angeschlossen wird. Tieta regelt das kurzerhand durch ein Telefongespräch mit dem Senator. Schon bald entwickelt sich eine platonische Romanze zwischen Ascanio und Leonora - sehr zum Ärger Tietas, nicht wegen der Romanze, sondern weil sie platonisch bleibt. Tieta selbst beginnt eine heiße Affäre mit ihrem Neffen Ricardo, dem gutaussehenden, kräftig gebauten Sohn ihrer verhärmten Schwester Perpétua, deren Ehemann schon lange tot ist. Es stört Tieta nicht, daß Ricardo das Priesterseminar besucht. Zunehmend sieht sich Tieta in alle Vorgänge im Ort verwickelt, so etwa, als ein mächtiger Konzern eine Fabrik in Sant'Ana errichten will, die das idyllische Fleckchen mit Giften verseuchen würde. Private Sorgen kommen hinzu: Ihr Vater ist nur daran interessiert, daß Tieta ihm jenes Stück Land zurückkauft, auf dem er einst seine geliebten Ziegen (was man durchaus wörtlich nehmen kann) gehütet hat. Leonora lehnt Ascanios Heiratsantrag ab, weil sie ihm nicht sagen will, wer sie wirklich ist, und obendrein verliebt sich Ricardo in die junge, hübsche Imaculada, was Tieta äußerst wütend macht. Doch dann verrät Leonora in ihrer Liebesnot Tietas bis dahin sorgsamst gehütetes Geheimnis, und kein Stein bleibt auf dem anderen. Tieta sieht sich gezwungen, ihr Heimatdorf ein zweites Mal zu verlassen. SEITENBEGINN
Zur ProduktionCarlos Diegues jüngster Film TIETA DO BRASIL, der auf dem Bestseller "Tieta aus Agreste" von Jorge Amado basiert, markiert die Rückkehr der aus Brasilien stammenden Schauspielerin Sonia Braga in das Kino ihres Heimatlandes. Zwölf Jahre lang hatte Sonia Braga, die mit Robert Redford liiert war, in den USA gelebt und gearbeitet. Jorge Amado selbst hatte Sonia Braga die Filmrechte an seinem Roman übertragen, und Sonia Braga hatte ihren alten Freund Carlos Diegues, einen der Begründer des modernen brasilianischen Kinos, als Regisseur ausgewählt.Obwohl TIETA Diegues' dreizehnter Spielfilm ist, betrat der Regisseur hier Neuland: Zum ersten Mal adaptierte er einen Roman. Kongenial übertrug er die Vitalität, den Humor und die Erotik der literarischen Vorlage auf die Leinwand, scharf beleuchtete er die Widersprüche der brasilianischen Kultur: ihre Ernsthaftigkeit und Heuchelei, ihr archaisches und modernes Denken, ihre Sentimentalität und Korruption. Carlos Diegues schrieb das Drehbuch zusammen mit einem Freund, dem in Bahia lebenden Schriftsteller Joao Ubaldo Ribeiro, der von vielen als legitimer Nachfolger von Jorge Amado betrachtet wird. Ribeiro mußte zunächst seine Abneigung gegen das Drehbuchschreiben überwinden: "Carlos rief mich an und meinte, er hätte etwas Wichtiges mit mir zu besprechen. Ich machte mir große Sorgen, als ich ihn ziemlich finster dreinblickend ankommen sah. Er redete lange drumherum und fragte mich dann schließlich, ob ich mit ihm an TIETA arbeiten wollte. Ich war so erleichtert - ich hatte gedacht, er wollte mich um eine meiner Nieren bitten, daß ich sofort zustimmte." Um den 700-Seiten-Roman auf ein 120-Seiten-Drehbuch zu komprimieren, beschlossen die beiden sofort, die Story auf Tieta und die Beziehung zu ihrer Familie zu konzentrieren. Regisseur und Drehbuchautor Antonio Calmon halfen dabei, dem Skript den letzten Schliff zu geben. Nach einem Jahr und sechs Drehbuchfassungen begannen die Dreharbeiten zu TIETA DO BRASIL am 31. Juli 1995 in Bahia; sie dauerten zehn Wochen. Um in Einklang mit der lokalen Kultur zu bleiben, hatte Diegues zuvor drei Monate in Bahia damit zugebracht, Schauspieler aus der Region auszuwählen; ebenso entschied er sich für lokale Künstler, deren Arbeitsstil den Beschreibungen im Roman glich, so entstanden authentische Schauplätze fernab von jedem Filmstudio. SEITENBEGINN
Jorge AmadoJorge Amado ist der bekannteste und berühmteste brasilianische Romanautor - und der am meisten Übersetzte. Seine Werke vermitteln die Essenz und die Farbigkeit der Provinz Bahia, und sie zeigen eine profunde Kenntnis der brasilianischen Seele. Immer wieder hat Amado starke Frauengestalten geschaffen, neben Tieta etwa Dona Flor und Gabriela, und immer wieder wurden sie auf der Leinwand von Sonia Braga verkörpert, die schon 1976 mit "Dona Flor e seus dois maridos - Dona Flor und ihre beiden Ehemänner" und 1963 mit "Gabriela" (mit Marcello Mastroianni) große Erfolge verzeichnen konnte.Der Roman "Tieta aus Agreste" zeigt Amados intimes Verständnis der Vorgänge in Bahia: den Überlebenskampf der Menschen, ihr Festhalten an oder ihr Widerstand gegen Vorurteile, ihre kleinen Ambitionen. Das Buch entwirft ein lebendiges Bild provinzieller Konflikte angesichts erster Anzeichen von Fortschritt und dessen Konsequenzen. Der Verfilmung seines Romans gab Jorge Amado seinen uneingeschränkten Segen - er selbst erscheint sogar am Anfang des Films, um den ersten Absatz seines Buches zu lesen, und er spricht am Ende den letzten Satz. Er ließ Regisseur Diegues völlig freie Hand bei der Adaption des Stoffes, indem er meinte: "Sie haben sich nicht in mein Buch eingemischt, und ich werde mich nicht in Ihren Film einmischen." Von Jorge Amado sind folgende Titel lieferbar: Nächte in Bahia. Roman Dona Flor und ihre zwei Ehemänner. Roman Herren des Strandes. 1974 Die Auswanderer vom Sao Francisco. Roman aus Brasilien. 1986 Tieta aus Agreste. Roman. 1988 Die drei Tode des Jochen Wasserbrüller. Erzählung. 1991 Die Geheimnisse des Mulatten Pedro. Roman. 1992 Das Verschwinden der heiligen Barbara. Roman. 1992 Jubiaba. Roman. 1992 Tote See. Roman. 1993 Viva Teresa. Roman. 1994 Leute aus Bahia. Zwei Romane. 1994 Die Abenteuer des Kapitän Vasco Moscoso. Roman. 1995 Der Gestreifte Kater und die Schwalbe Sinhá. Eine Liebesgeschichte. 1995 SEITENBEGINN
Carlos Diegues (Regie)"Jorge Amados Roman ist deswegen so wunderbar, weil Tieta nicht zurückkehrt, um Rache zu nehmen, sondern um geliebt zu werden."TIETA DO BRASIL ist Carlos Diegues' erste Erfahrung einer Zusammenarbeit mit Brasiliens legendärer Schauspielerin Sonia Braga. Freunde sind sie seit langen Jahren, und so bat Sonia Braga, nachdem Jorge Amado ihr die Rechte an seinem Buch übertragen hatte, Diegues darum, die Regie zu übernehmen. Während seiner 35jährigen Karriere als Regisseur und Produzent zeigte Diegues stets ein profundes Interesse an der brasilianischen Seele. In "Xica da Silva" (Die Mätresse, 1976) beschäftigte er sich damit, wie Menschen unterschiedlicher (rassischer) Herkunft in Brasilien zusammenleben. In "Bye Bye Brasil" (1979) zeigte er ein Land, das sich ständig in Umwandlung und Aufruhr befindet. Carlos Diegues hat sich stets im Zentrum kultureller Diskussionen in Brasilien befunden, und wie in den Romanen von Jorge Amado stehen in seinen Filmen stets starke weibliche Charaktere im Mittelpunkt. Diegues sagt: "Ich sehe nur eine Hoffnung für die brasilianische Filmindustrie: brasilianisch zu sein. Wir müssen etwas machen, von dem nur wir wissen, wie es zu machen ist. Sonst würde es für uns keinen Sinn ergeben, Filme zu produzieren." Interview mit Carlos DieguesWie war das für Sie, zum ersten Mal eine literarische Vorlage zu adaptieren?Anfangs war ich sehr befangen. Schon als ich noch ein Kind war, gehörte brasilianische Literatur zu Hause zu unserem Alltag, und ich hatte einen quasi-religiösen Respekt vor ihr. Amado hat immer gesagt, daß er meine Filme mag. Ich glaube, das hat damit zu tun, daß sie eine Menge gemeinsam haben mit seinen Werken, die sich dadurch auszeichnen, daß sie nach der brasilianischen Seele suchen, und durch eine Art von Drama, das sich mehr auf die Charaktere konzentriert als auf die Handlung. Im Roman geht Leonora mit Tieta fort, wohingegen sie im Film bleibt und mit Ascanio glücklich wird. Wie kam es zu dieser Änderung? Ich halte TIETA für Amados feministischstes Buch, weil das gesamte Geschehen aus der Sicht der weiblichen Charaktere geschildert wird. Daher fand ich den Schluß des Romans sehr pessimistisch, denn die Frauen sind die Verlierer. Ich wollte aber wenigstens Leonora ihr Ziel erreichen lassen: die Liebe. Ich habe mit Jorge Amado darüber gesprochen, und er war einverstanden. Das war das allererste, was ich mit dem Drehbuch gemacht habe - Leonora konnte nicht so enden, sie sollte nach Liebe suchen und sie finden. Sie waren sich immer der Realitäten in Brasilien bewußt - glauben Sie, daß auch TIETA in Bezug auf die gegenwärtige Situation Ihres Landes von Bedeutung ist? Wenn ich einen Film drehe, denke ich wenig an meine vorherigen Filme, und ich habe keine spezifische Theorie über das, was ich gerade mache. Jeder Film ist ein neues Abenteuer und muß als solches betrachtet werden, obwohl der Ausgangspunkt immer meine Neugier auf das Leben in Brasilien ist. Ich halte TIETA für meinen besten Film, weil ich hier einige Ideen realisieren konnte, die Film als Unterhaltung betreffen. Ist es in einem sich zunehmend international gebenden Klima nicht etwas ungeschickt, einen Film zu produzieren, der sich so weitgehend auf eine nationale Kultur stützt? Im Gegenteil. Ich finde es interessant, daß sich meine Bedürfnisse als Autor im Moment mit denen des Weltmarkts decken. Angesichts des überwältigenden Monopols der amerikanischen Filmindustrie sind die Menschen neugieriger darauf geworden, ein anderes Kino zu sehen. Das erklärt zum Beispiel den gegenwärtigen Erfolg chinesischer Filme. Ich glaube, für das brasilianische Kino gibt es nur eine Hoffnung: brasilianisch zu sein. Wenn es das Weltkino zu imitieren versucht, wird es keinen Erfolg haben. Filmographie Carlos DieguesFuga (1959, Kurzfilm)Brasilia (1960, Kurzfilm) Domingo (1961, Kurzfilm) Escola de samba (1962, Kurzfilm) Ganga Zumba (Ganga Zumba, 1964) A grande cidade (1966) Oito universitarios (1967, Kurzfilm) Os heredeiros (Die Erben der Macht, 1969) Receita de futebol (1971, Kurzfilm) Quando o carnaval chegar (1972) Joanna Francesca (1973) Cinema Iris (1974, Kurzfilm) José Carlos Pace (1975, Kurzfilm) Xica da Silva (Die Mätresse, 1976) Chuvas de verao (1978) Bye Bye Brasil (1979) Quilombo (1984) Batalha da alimentacao (1985, Kurzfilm) Batalha do transporto (1966, Kurzfilm) Um trem para as estrelas [1987) Dies melhores virao (1988) Veja esta cancao (1994) Tieta do Agreste (TIETA DO BRASIL, 1996) SEITENBEGINN
Sonia BragaNachdem sie zwölf Jahre in den USA gelebt und gearbeitet hatte und eine Zeitlang die Lebensgefährtin von Robert Redford war, kehrte Sonia Braga in ihre Heimat Brasilien zurück, um die Rolle der Tieta zu spielen. Tieta ist eine reife Frau Anfang vierzig, kraftvoll und sinnlich, die in ihr Heimatdorf Sant'Ana do Agreste zurückkehrt, aus dem sie im Alter von 17 Jahren vertrieben worden warSonia Braga erneuerte damit auch ihre künstlerische und gefühlsmäßige Beziehung zu den temperamentvollen Charakteren in der Welt des Romanautors Jorge Amado - Rollen, mit denen sie schon in den siebziger und achtziger Jahren zum berühmtesten Star des brasilianischen Fernsehens und Kinos geworden war. "Man kann immer Parallelen ziehen, Übereinstimmungen finden", erklärt sie dazu. "Ich habe mich lange außerhalb Brasiliens aufgehalten, aber nicht so lange, wie Tieta aus ihrem Dorf weg war - jedenfalls kommt jeder Brasilianer, der im Ausland lebt, für Jorge Amado zurück." Abgesehen von den auffallenden Ähnlichkeiten zwischen ihr und Tieta nimmt der Film einen besonderen Rang ein in Sonia Bragas langjähriger Beziehung zu dem Schriftsteller. Jorge Amado übertrug ihr die Filmrechte, und Sonia Braga brachte die Steine ins Rollen, indem sie Carlos Diegues bat, Regie zu führen. Im Alter von 46 Jahren ist Sonia Braga stolz darauf, auf der Leinwand die Rolle einer reifen, erotischen Frau zu spielen. Interview mit Sonia BragaWie kam es dazu, daß Jorge Amado Ihnen die Filmrechte an TIETA übertrug?Nachdem ich "Mond über Parador" gedreht hatte, las ich "Tieta aus Agreste" noch einmal und dachte daran, was für einen guten Film man daraus machen könnte. Ich ging in die USA ans Sundance Institute. Ich war mit Robert Redford befreundet, der sich für das Projekt interessierte. Ich rief Jorge Amado an und fragte ihn, wie es um die Filmrechte stehe. Er sagte mir: "Die Filmrechte gehören dir". Bei einem Essen mit einer Gruppe Brasilianer auf einem italienischen Filmfestival sagte Beth Fario dann einige Zeit später, sie werde die Tieta spielen. Ich blickte zu Jorge Amado hinüber Er sagte: "Es ist nur fürs Fernsehen, nur fürs Fernsehen." Ich habe nicht weiter darüber nachgedacht. Jorge, weiß, was er tut. Ich ging zurück in die Staaten und erklärte Robert, daß wir wegen der Fernsehadaption einige Jahre warten müßten. Aber TIETA hat mich die ganze Zeit über begleitet. Warum haben Sie sich für Carlos Diegues als Regisseur entschieden? Carlos gehört zu den Leuten in Brasilien, zu denen ich das meiste Vertrauen habe. Wir trafen uns in New York, und ich sagte: "Wir machen TIETA, und du führst Regie." Er war einverstanden und fand Bruno Stroppiana und Donald Ranvaud als Produzenten. Dann sprachen wir noch einmal mit Jorge Amado, der versicherte, er überlasse uns die Filmrechte. Es war großartig, endlich einmal mit Carlos zu arbeiten. Er hat einige der schönsten brasilianischen Filme aller Zeiten gemacht, vielleicht weil er von ganzem Herzen Brasilianer ist. Und die Tatsache, daß Jorge Amado selbst auf der Leinwand erscheint, macht es noch großartiger. Für mich bedeutete das, daß er dem Film seinen letzten Segen gab. Wie würden Sie Tieta beschreiben? Jeder hat seine eigenen Vorstellungen von einer Figur. Jorge Amado sagt: "Ich schreibe einen Roman was aus dem Roman wird, hängt vom Leser ab." Mein Zugriff auf die Figur hört in dem Moment auf, wenn die Dreharbeiten aufhören. Eines jedoch möchte ich sagen: Ich halte Tieta für eine von Jorge Amados reifsten und komplettesten Figuren. Waren Sie zufrieden mit den Dreharbeiten? Ich war zufrieden, aber es war nicht immer einfach. Seltsam ist die Tatsache, daß an diesem Film eine ganze Reihe von Rückkehrern beteiligt war: Ocimar Versolato, der Modedesigner, der in Paris lebt; Chico Anysio und Jece Valdao, die lange Jahre keinen Film gemacht hatten. Ich betrachtete meine Rückkehr in Beziehung auf Carlos, Marilia Pera und Zezé Motta und dachte: "Mein Gott, wie absurd, daß ich mit allen von ihnen noch nie gearbeitet habe." TIETA besaß die Magie, all diese wunderbaren Menschen zusammenzubringen. Es war Tieta, die mein kulturelles Exil beendete." Filmographie Sonia BragaO bandido da luz vermelha (1968, Regie: Rogério Sganzerla)A moreninha (1971, Regie: Glauco Mirko Laurelli) Mestica, a escrava indomavel (1973, Regie: Lenita Perroy) O casa (1975, Regie: Daniel Filho) Dona Flor e seus dois maridos - Dona Flor und ihre beiden Ehemänner (1976, Regie: Bruno Barreto) A dama do lotacao (1978, Regie: Neville de Almeida) E tu amo (1981, Regie: Arnaldo Jabor) Gabriela (1983, Regie: Bruno Barreto) The Kiss of the Spider Woman - Der Kuß der Spinnenfrau (1985, Regie: Hector Babenco) The Man Who Broke 1000 Chains (1987, TV, Regie: Daniel Mann) Moon Over Parador - Mond über Parador (1988, Regie: Paul Mazursky) The Milagro Beanfield War - Milagro, der Krieg im Bohnenfeld (1986, Regie: Robert Redford) The Rookie - Der Anfänger (1990, Regie: Antonio) The Burning Season (1994, TV, Regie: John Frankenheimer) Two Deaths (1995, Regie: Nicholas Roeg) Streets of Laredo (1995, TV, Regie: Joe Sargent) Money Plays (1995, TV, Regie: Frank Gilroi) Tieta do Agreste - TIETA DO BRASIL (1996, Regie: Carlos Diegues) SEITENBEGINN
Caetano Veloso (Musik)Caetano Veloso begann seine Karriere als Komponist für Filmmusiken in den sechziger Jahren und gehört heute zu den international erfolgreichsten Interpreten brasilianischer Musik. Bei TIETA, seiner ersten Zusammenarbeit mit Carlos Diegues, schuf Veloso eine seiner umfangreichsten Kompositionen, die fast zwei Stunden Musik umfaßt, einschließlich der Songs, die sich perfekt mit der Stimmung der Bilder und den Konflikten der Charaktere verbinden. Diegues bereitete das musikalische Konzept des Films schon vor, während er das Drehbuch verfaßte. Caetano Velosos Soundtrack, weitgehend inspiriert von der regionalen Musik, entsprach ganz seinen Erwartungen. Diegues hatte außerdem sieben Szenen ausgewählt, zu denen Veloso sieben wundervolle Songs schrieb. Eines dieser Lieder wird übrigens von Diegues achtjähriger Tochter Flora gesungen.Der Soundtrack zu TIETA ist bei MILAN MUSIC erschienen. SEITENBEGINN
Ocimar Versolato (Sonia Bragas Garderobe)Ocimar Versolato lebt in Paris und ist derzeit der einzige brasilianische Modedesigner von internationalem Rang, dessen Ruf weltweit immer mehr zunimmt. Exklusiv für Sonia Braga entwarf der Couturier 20 Kostüme für ihre Rolle der Tieta. Das Ergebnis zeigt deutlich Versolatos persönliche Handschrift: Die Kleider sind originell und zelebrieren weibliche Sinnlichkeit. Ocimar Versolato war sehr angetan von seinem ersten Filmauftrag: "Sonia Braga versteht viel mehr von Kleidern als Models das tun. Sie trägt sie nicht einfach, sie interpretiert sie. Daher war mein Filmdebüt so fantastisch - ich hatte die Chance, eine so talentierte Schauspielerin wie Sonia Braga einzukleiden."Seitenbeginn |