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"Absurdistan ist überall . . ."
Ein Gespräch mit Regisseur Houchang Allahyari und Co-Regisseur Tom-Dariusch Allahyari
Über die Zusammenarbeit zwischen Vater Houchang und Sohn Tom-Dariusch
Wir arbeiten seit vielen Jahren miteinander, schreiben vor allem die Drehbücher gemeinsam. Im Lauf der Zeit sind wir auch am Set zu einem eingespielten Team geworden. Natürlich gibt es immer wieder Meinungsverschiedenheiten, wir versuchen aber die Vater-Sohn-Geschichte herauszuhalten. So schaffen wir es immer wieder, verschiedene Vorstellungen und Perspektiven auf eine gemeinsame Linie zu bringen.
Über die Idee zum Film und politische Aspekte
Auf die Idee haben mich Fälle gebracht, mit denen ich in meiner Ordination in Wien konfrontiert war. Dazugekommen sind Medienberichte über Menschen, die ihr ganzes Leben hier in Österreich eingerichtet hatten und dann irgendwelcher Bagatellen wegen in eine "Heimat" zurückgeschoben werden, die für sie gar nicht mehr Heimat ist.
Auch ganz persönlich ist mir diese Problematik sehr nahe. Ich lebe seit über dreißig Jahren in Österreich, eine Rückkehr in den Iran kann ich mir nicht vorstellen. Ich fühle mich als Österreicher.
GEBOREN IN ABSURDISTAN hat politische Aspekte, das ist nicht zu übersehen. Primär geht es uns aber darum, eine Geschichte zu erzählen, die das Publikum emotional erreicht. Welche Gedanken sich der einzelne dann macht, können wir nicht voraussehen.
Über den Titel GEBOREN IN ABSURDISTAN
Die Bezeichnung "Absurdistan" haben wir erstmals als Titel einer Karikatur im "Kurier" entdeckt. Gemeint sind speziell die Absurditäten, die entstehen, wenn eine Bürokratie über individuelle Schicksale entscheidet, wobei die Bürokratie den verlängerten Arm der Politik darstellt. Natürlich ist Absurdistan überall, denn jedes Land hat seine ganz eigenen Absurditäten, aber die österreichischen liegen uns halt nahe.
Über die österreichischen Stars
Julia Stemberger hatten wir schon im Kopf, als wir noch am Drehbuch gearbeitet haben. Wir wollten schon seit langem einmal mit ihr arbeiten. Sie war dann auch mit unglaublichem Engagement, Charme und großer Intensität bei der Sache. Bei unserem erstem Gespräch meinte sie: "Ich bin nicht schwierig, nur genau." Das beschreibt sie sehr gut.
Karl Markovics hat unsere Story von Anfang an gut gefallen, er hat sich gleich für die Hauptrolle interessiert. Für uns war es ein Riesenglück, einen derartig sensiblen, talentierten Schauspieler für den Film gewinnen zu können. Er gibt der Rolle Authentizität und Sympathie - eine ideale Identifikationsfigur.
Josef Hader hat sich seine Rolle selbst ausgesucht und mit seinem großartigen Talent zur Improvisation das Maximum aus der Figur als halb unfreiwilliger Schmuggelhelfer herausgeholt. Es ist übrigens sein erster Auftritt in einem Kinofilm seit "Indien".
Über die türkischen Darsteller
Die Darsteller der türkischen Rollen haben wir mit Hilfe unseres türkischen Produzenten und beraten von einer Verleihfirma in Istanbul gecastet. Wir wollten unbedingt Schauspieler, die vom Können und auch von der Popularität her zu Julia Stemberger und Karl Markovics passen.
Die temperamentvolle Meltem Cumbul ist in der Türkei ein absoluter Superstar, als Filmschauspielerin, aber auch als Sängerin und Moderatorin ihrer eigenen Talkshow. In der Türkei braucht sie nur in der Öffentlichkeit aufzutauchen, sorgt sie schon für Aufruhr. Ob am Flughafen oder in der Stadt, man kann mit ihr nicht auf die Straße gehen, ohne einen Volksauflauf zu provozieren.
Ahmed Ugurlu zählt zu den profiliertesten Film- und Theaterschauspielern der Türkei. Er hat sich vor allem durch seine Mitwirkung an hochwertigen cineastischen Filmen auch international einen Namen gemacht. In seiner türkischen Heimat ist er wirklich bekannt. Bei einem Außendreh in Istanbul kam einmal die Polizei und verlangte unsere Drehgenehmigungen. Als sie Ahmed sahen, waren die Polizisten plötzlich wie verwandelt, baten ganz zahm um Autogramme und sperrten sogar die Straße für uns.
Über die Arbeit mit Babies
Sie bringt natürlich spezielle Probleme mit sich. Begonnen hat es damit, Babies zu finden, die zur Drehzeit im richtigen Alter waren, deren Aussehen zur Geschichte paßte und die auch Eltern hatten, die sich unerschrocken auf das Abenteuer Film einlassen würden.
Beim Dreh selbst hat sich dann unser ganzes Team nach den Launen und den Schlaf- und Wachphasen der Kleinen richten müssen. Wenn es eine Stunde dauert, bis ein Baby in der richtigen Stimmung ist, dann heißt es eben eine Stunde warten. Gottseidank waren wir gut vorbereitet, hatten an jeder Location extra Ruheräume für die Babies und die Mütter. Trotzdem wäre es ohne den Einsatz und die Begeisterung der Eltern nicht zu schaffen gewesen.
Über die Dreharbeiten in der Türkei
Wir haben uns in der Türkei und besonders in dem kleinen Dorf, in dem wir hauptsächlich gedreht haben, einfach wohl gefühlt. Die Gastfreundschaft der Dorfbewohner war unglaublich. Natürlich war die Anwesenheit eines internationalen Filmteams eine Sensation, speziell für die Kinder. Das komödiantische Talent von Karl Markovics begeisterte Jung und Alt, wenn er in den Drehpausen nicht nur das erschöpfte Team, sondern gleich das ganze Dorf mit seinen übermütigen Faxen unterhalten hat. Wir konnten uns vor freiwilligen Komparsen kaum retten!
Zusätzlich herrschte eine geradezu babylonische Sprachenverwirrung, geredet wurde türkisch und deutsch, die Setsprache war englisch. Aber Menschen, die sich verstehen, können sich auch verständigen. Professionalität und good will auf allen Seiten haben uns über alle sprachlichen Hindernisse hinweg geholfen.
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